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Seevölkerinseln Nördliche Seevölkerinseln Sommerweiden Eislandbucht Erlmoorland Erlwasser Windlandsteppen Obsidiankap Wisperwälder Grimbergküste Grimwälder Phoenixküste Regeninseln Nordnornküste Nornbergküste Ostwindlinge Donnersteppen Grimwasser Phoenixwasser Donnerhallberge Weststromland Gefrorenes Land Donnerküste Polare Eisdecke und Packeis Die Landschaft ist reich an steinigem Hügelland und großem Fels, der aus der Erde bricht und jeden Donnerschlag laut erhallen lässt. Eher schwach bewaldet sind es zunächst lose Baumgruppen, die gigantische Ausmaße annehmen. Oft kommen schwere Nebel von den Bergen, die von großen Stürmen abgelöst werden, bis die Sonne wieder durch die dunkle Wolkendecke bricht.

Frühjahr
Durch das immer länger scheinende Licht der Sonne erwachen die Waldgottheiten aus ihrem Schlaf und lassen die Pflanzen neu erblühen. Die ersten Tierherden wandern wieder nach Norden, wo das Nahrungsangebot nun reichhaltiger ist.
Sommer
Durch Schmelzen von Schnee und Eis führen vor allem der große Gletscherfluss, aber auch andere Gewässer starke Strömungen und höhere Wasserpegel. Zusammen mit auftauenden Böden führt dies zu weitreichenden Versumpfungen und Überschwemmungen, die auch noch viele Ortschaften weit fern der Flussufer treffen. Die großen Tierherden sind alle in den Norden zurückgekehrt.
Sommersonnenwende
In der Sonnenwendnacht, der kürzesten des Jahres, können Geister auch von Sterblichen erblickt werden. An manchen Stellen zeigen sich zu dieser heiligen Zeit auch Orte der Geisterwelt.
Herbst
Während die Gewässer zurücktreten, erblühen und reifen viele Kräuter und Früchte. Die ersten Tierherden wandern zu dieser Zeit nach Süden. Die großen Hirsche tragen zu dieser Zeit mächtige Geweihe und streiten um das Vorrecht eine Herde zu führen.
Winter
Während die Pässe in den Hochgebirgen zunehmend unbegehbar werden, legen sich die Waldgottheiten und Waldgeister schlafen, wodurch auch die Pflanzen in den Schlaf fallen. Die großen Tierherden sind alle im Süden angekommen und die großen Hirsche werfen ihr Geweih ab.
Wintersonnenwende
Zur Wintersonnenwende, der längsten Nacht des Jahres, tobt in den hohen Bergen die wilde Jagd der Jagdgottheiten. In dieser Nacht werden Opfergaben dargebracht, um sie zu besänftigen.

Polare Steppen und Sommerweiden

Die schwach bewaldeten Eislande, die südlichen Mondbergtäler und Windlande, in welchen auch im Sommer noch Schnee liegt, sind in der Sommerzeit reich an Gräsern, Sträuchern, Kräutern, Moosen, Farnen, Flechten und Blumen. Im Winter ist die kleinwüchsige Vegetation jedoch tief eingeschneit, sodass ein großer Teil der dort heimischen Fauna gefolgt von großen Raubtieren in den Süden wandert, um zum Sommer wieder die Wanderung nach Norden anzutreten.
2 m
3 t

Wollnashorn

Wollnashörner sind Pflanzenfresser, die hoch im Norden leben und sich von den Gräsern und Sträuchern der Steppen ernähren. Sie besitzen kein gutes Sehvermögen und sind so leicht aufzuschrecken, worauf sie stets in den Angriff übergehen. Unter ihrem braunen Fell verbringen sie auch die Winterzeit im hohen Norden und leben für eine Weile von ihren Fettreserven.



1,7 m
1 t

Düsterbär

Aufgerichtet 3,4 m hoch sind Kurznasenbären die größten aller Raubtiere und halten keinen Winterschlaf. Aufgrund der langen Gliedmaßen sind sie zudem ein schneller Läufer, der Rinder, Hirsche und Wildpferde erlegt, auch größere Tiere attackiert und selbst anderen Raubtieren ihre Beute erfolgreich streitig macht.



1,7 m
700 kg

Buschochse

Buschochsen leben in den Tiefebenen und Flusstälern und ernähren sie sich von Sträuchern, Birken, Weiden, Kräutern, Flechten und Moosen.



1,5 m
350 kg

Höhlenlöwe

Höhlenlöwen sind die größten Raubkatzen. Sie sind zumeist Einzelgänger und jagen in den Steppen Hirsche, Rentier, Pferde oder Humanoide. Doch vor allem ihr Gebrüll, mit welchem sie ihre Territorien abstecken, wird weit über die Lande vernommen. Höhlenlöwen leben vor allem nahe den hohen Gebirgszügen im Norden.



1 m
100 kg

Hyäne

Hyänen leben in Höhlen und Bauten, in denen sie auch ihren Nachwuchs aufziehen.



0,8 m
60 kg

Grauwolf

Gemeine Wolfsrudel mit 4 bis 15 Tieren jagen vorwiegend Rentier, Wildschweine und kleinere Tierarten, können aber nach tagelangem Ringen auch ein Rind erlegen. Da ihre Beutetiere nicht mit den Herden wandern, verbleiben auch sie oft in den Bergen.
Vor allem in Vollmondnächten hallt ihr Geheul über die Lande.



Nordwälder

Tief in den gewaltigen Wäldern wachsen die Bäume hoch und sind Jahrtausende alt. Es sind unheimliche Orte, die kaum Tageslicht zulassen und nach nur wenigen Minuten die Orientierung rauben. Neben den zahlreichen Nadelbäumen haben es auch einige Laubbaumarten wie die Birke, Erle und Weide geschafft in unwirtlichen Gegenden zu überdauern.
3,4 m
6 t

Mastodon

Mastodonten sind kleiner als Mammuts, jedoch etwas länger als ihre Verwandten. Ihre Stoßzähne sind flacher nach oben gebogen. Sie leben in Wäldern westlich des großen Stroms und ernähren sich von Laub und Zweigen, wodurch sie zum Jahreszeitenwechsel nicht auf lange Wanderschaften angewiesen sind.



2 m
1 t

Auerochse

Auerochsen sind eher in Wäldern beheimatet und speisen dort vom Laub und den Sträuchern. Rinder sind ungemein ausdauernd und wehrhaft.



1,7 m
1 t

Höhlenbär

Höhlenbären sind Einzelgänger und aufgerichtet bis zu 3,4 m hoch. In Laubwäldern beheimatet ist hält der Höhlenbär Winterschlaf und ernährt sich vorwiegend von Pflanzen. Ein einziger Tatzenschlag oder Biss erweist sich für Humanoide als tödlich.



2,3 m
800 kg

Elch

Mit ihren langen Beinen vermögen die einzelgängerischen Elche Wölfen und Bären durchs Unterholz zu entkommen. Ihr kräftiger Rumpf speichert im Sommer angefressenen Fettvorrat, um den langen Winter zu kompensieren. Im Winter finden sie sich in lose Gruppen zusammen. Die Huftritte von Elchen sind tödlich und kaum abzuwehren.



1,7 m
500 kg

Düsterkeiler

Düsterkeiler sind gewaltige Wildschweine mit vier Hauern. Die Weibchen und ihr Nachwuchs leben meist in den Wäldern in Rotten beisammen und verlassen diese auch im Winter nicht, während welcher sie sich besonders gegen ebenfalls im Norden verbliebene Wölfe, Löwen und Bären wehren müssen. Keiler hingegen werden zunehmend zu Einzelgängern.



0,8 m
60 kg

Grauwolf

Gemeine Wolfsrudel mit 4 bis 15 Tieren jagen vorwiegend Rentier, Wildschweine und kleinere Tierarten, können aber nach tagelangem Ringen auch ein Rind erlegen. Da ihre Beutetiere nicht mit den Herden wandern, verbleiben auch sie oft in den Bergen.
Vor allem in Vollmondnächten hallt ihr Geheul über die Lande.


Steppenwanderer

Die großen Steppen der Weststromlande und Nordlandtundra werden vor allem von grasenden Zugtieren durchquert, die zum Frühjahr und Herbst in großen Herden und Stampeden wandern. Die hier gelisteten Tiere befinden sich im Sommer in den nördlichen Ebenen, und im Winter wiederum in den südlichen Ebenen. Trotz hohen Hügeln und Fels, Flussland, Tümpeln und Sümpfen kann man meist weit über das Land blicken und in weiter Ferne die Züge hoher Berge ausmachen. Mit nur wenigen kleineren Baumgruppen ist die Flora reich an Gräsern, Sträuchern, Kräutern, Moosen, Farnen, Flechten und Blumen.

3,8 m
6 t

Mammut

Einer Leitkuh folgend bilden Mammutkühe mit den Jungtieren Herden, die jedoch auseinandergehen, wenn die Nahrung knapp wird. Zum Winter gewachsenes Fell verlieren sie im Sommer wieder. Nach 60 bis 70 Jahren sind Mammutzähne derart abgenutzt, dass sie in sumpfigeren Gebieten nach weicher Nahrung suchen, dort verenden und Mammutfriedhöfe begründen.



2 m
1 t

Bison

Bisons und Wisents ernähren sich von den Gräsern der Steppen und wandern zum Winter in den Süden, um zum Sommer hin wieder in den Norden zurückzukehren. Rinder sind ungemein ausdauernd und wehrhaft.



2,1 m
600 kg

Riesenhirsch

Geweihe männlicher Riesenhirsche spannen bis zu 4 m, wiegen bis zu 50 kg und werden mit dem Ende der Brunft zu Winteranbruch abgeworfen. Hirsche leben in von einem Männchen geführten Herden in den Steppen. Gehörnte Hirsche meiden die Wälder aufgrund der Gefahr sich mit dem Geweih darin zu verfangen.



1,2 m
300 kg

Säbelzahn

Die meisten Säbelzahnkatzen jagen in von einem Männchen geführten Rudeln. In Pirsch- und Treibjagd sind Rinder oder Jungtiere von Wollnashörnern, Mammuts und Mastodonten übliche Beute. Aufgrund der Säbelzähne ist es ihnen nicht möglich Beute vollständig zu verzehren, sodass sie stets Aas für andere Raubtiere lassen.



1,4 m
270 kg

Gnu

Gnus leben in großen Herden im offenen Grasland.



1,4 m
200 kg

Rentier

Rentiere sind Herdentiere, die sich von den Gräsern der Steppen ernähren und mit den großen Herden wandern. Sie sind dunkelgrau gefärbt, tragen eine hellgraue Mähne und ganzjährig sowie geschlechtsunabhängig ein Geweih.



1,4 m
200 kg

Pferd

Wildpferde sind Herdentiere, die sich von den Gräsern der Steppen ernähren und mit den großen Herden wandern. Sie tragen eine gelbrötliche Fellfärbung mit hellen Flanken und eine aufrecht stehende Mähne.



1 m
80 kg

Düsterwolf

Düsterwölfe sind große und kräftig gebaute Wölfe mit kurzen Beinen. Sie leben in Rudeln von bis zu 30 Tieren, die von einem Rüden geführt werden und sind selbst gegenüber Artgenossen aggressiv. Zu den großen Wanderungen folgen sie den Herden, unter welchen vor allem Rinder erlegt werden.



Südland

Auch in den gewaltigen Wäldern im Süden wachsen die Bäume hoch und sind Jahrtausende alt. Und auch dies sind unheimliche Orte, die kaum Tageslicht zulassen und nach nur wenigen Minuten die Orientierung rauben, während zugleich die Vegetation am Boden jedes Vorankommen erschwert.

In den weiten Graslanden befinden sich zur Winterzeit die großen Herden des Nordens. Aber auch im Sommer ist hier eine reichhaltige Tierwelt anzutreffen.
4 m
12 t

Südelefant

Hauerelefantenbullen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 4 m und ein Gewicht von bis zu 12 t, während Kühe bis zu 3 m hoch werden und 6 t erreichen. Sie leben in den Wäldern des Südens



6 m
6 t

Faultier

Riesenfaultiere bewegen sich überwiegend vierfüßig fort, können sich jedoch auch auf die Hinterbeine aufrichten, um im Geäst von Bäumen Nahrung zu suchen. Nachtaktiv leben sie in den sumpfigen Wäldern des Südens, wo sie sich von Pflanzen und Tieren ernähren und auch manchen erfahrenen Jäger töten.



1,5 m
1,5 t

Pfeilzahn

Die Augen und Nüstern der Pfeilzähne liegen hoch am Kopf, sodass sie halb-aquatisch leben können. Sie verbringen den Großteil des Tages im Wasser und gehen in der Nacht für die Nahrungssuche an Land.




7 m lang
1 t

Waran

Als Lauerjäger fallen Warane ihre Beute aus dem Hinterhalt an und ernähren sich auch von Aas. Von ihnen gebissene Beutetiere sterben nach kurzer Zeit am Gift und können schließlich von den Waranen gewittert und gefunden werden.



1,8 m
1 t

Langhals

Langhälse mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,8 m leben in den Savannen und Feuchtgebieten des Südens und ernähren sich von Laub wie auch Gras.



3 m
400 kg

Waldbestie

Rindergiraffen gelten als große und robuste Verwandte von Antilopenartigen Huftieren, die ebenfalls im Süden beheimatet sind.



1,1 m
350 kg

Wildschwein

Wildschweine leben meist in den Wäldern in Rotten beisammen und verlassen diese auch im Winter nicht, während welcher sie sich besonders gegen ebenfalls im Norden verbliebene Grauwölfe, Höhlenlöwen und Kurznasenbären erwehren müssen.



6 m lang
1 t

Krokodil

Krokodile erreichen meist 5 m und 250 kg, wachsen jedoch ihr gesamtes Leben lang und können so größer werden. Sie springen aus dem Wasser und ertränken ihre Beute oder drehen sich um ihre eigene Achse, um sie von den Beinen zu reißen, tauchen eine Stunde und kommen ein Jahr ohne Nahrung aus. Im Süßwasser beheimatet überqueren sie auch die Meere.



1,1 m
260 kg

Tiger

Tiger sind nachtaktiv und verbergen sich zur Pirsch in dichtem Pflanzenwuchs am Boden.



1,2 m
230 kg

Löwe

Löwen leben in ihren Rudeln in den offenen Steppen des Südens von der West- bis zur Ostküste.



0,6 m
210 kg

Jaguar

Jaguare leben in den Wäldern. Sie können hervorragend klettern und Töten ihre Beute mit einem Sprung.



2,5 m
200 kg

Riesenbiber

Riesenbiber erreichen Längen von über 2,5 Metern und leben großteils im Wasser, wo sie auch ihre Heime bauen.



1,9 m
770 kg

Hirsch

Schulterhöhen von Hirschen variieren je nach Art zwischen 30 und 190 cm, im Gewicht zwischen 6 und 770 kg. Die meisten leben in Gruppen beisammen.




1 m
150 kg

Schaf / Ziege

Ziegen erreichen eine Schulterhöhe von 1 m und ein Gewicht von 150 kg.

Mufflon-Schafe erreichen eine Schulterhöhe von 90 cm und ein Gewicht von 50 kg.



1 m
100 kg

Hyäne

Hyänen leben in Höhlen und Bauten, in denen sie auch ihren Nachwuchs aufziehen.



0,8 m
60 kg

Grauwolf

Gemeine Wolfsrudel mit 4 bis 15 Tieren jagen vorwiegend Rentier, Wildschweine und kleinere Tierarten, können aber nach tagelangem Ringen auch ein Rind erlegen. Da ihre Beutetiere nicht mit den Herden wandern, verbleiben auch sie oft in den Bergen.
Vor allem in Vollmondnächten hallt ihr Geheul über die Lande.



0,7 m
70 kg

Gazelle

Saigas erreichen eine Schulterhöhe von 70 cm und ein Gewicht von 70 kg, Gazellen erreichen eine Schulterhöhe von 80 cm und ein Gewicht von 40 kg. Sie leben in flachen, weiten Steppen in Herden von bis zu 40 Tieren beisammen, bilden zu den Jahreswanderungen aber auch Wanderherden mit Tausenden Tieren.



3 m
20 kg

Rock

Riesenadler können bis zu 20 kg wiegen und haben eine Spannweite von 3 m. Manchmal verschleppen sie auch Humanoide als Beute.



Binnenfisch

6 m
2 t

Wanderfisch

Die großen Wanderfische, der Stör, Lachs und die Forelle, leben im Meer, schwimmen zum Laichen jedoch die Flüsse hinauf. Der Stör ist im Frühjahr, Lachse und Forellen im Winter auch im Inland anzutreffen. Störe werden 6 m lang, 2 t schwer und 100 Jahre alt, Lachse 1,5 m lang und 20 kg schwer und Forellen 1,4 m lang und 50 kg schwer.



3 m
100 kg

Standfisch

Die großen Standfische, der Wels und der Hecht, leben in Ufernähe am Gewässerboden. Welse werden 3 bis 4 m lang und 40 bis 150 kg schwer, wobei kürzere mehr Masse aufweisen. Bei Bedrohung wehren sie sich mit kräftigen Bissen. Hechte werden 1,5 m lang und 20 kg schwer und sind als bissige Raubfische bekannt, die ein kurzes, gewaltsames Leben führen, während Welse sehr alt werden.

Schiffsbau
Langboot
Bootsbau


Arachnenseide
Weben


Schuppenkleid
Knochennadel
Handspindel, Ahle
Tangbekleidung


Reiterei
Oreichalkos
Rauchgerbung
Hirngerbung
Unterseegerbung


Speichenrad
Holzrad
Schlitten
Schleife


Bronzeguss
Holzverarbeitung
Verbundwerkzeug
Kaltlandwerk


Zyklopenmauern
Keramikglasur
Kupferguss
Elementarmetalle


Felsenheim
Steinbruch
Megalithbauwerke
Steinverarbeitung
Steinschmiede


Ziegelbrennerei
Stampflehmbau
Lehmziegel
Korbflechten
Werkzeug


Lehmöfen
Töpferei
Feuerstätten


Zeit der ersten Sonne
Geboren auf den alten Schiffen aus den verlorenen Tiefen kannten wir um uns nur weites Meer, das immerzornig gegen die Flanken schlug, den kalten Wind, der unaufhörlich an unserer Haut zerrte, über uns nur finstere Wolkendecke, die immergrollend mit ihren Blitzen schlug. Doch fern der wankenden Welt erhob sich uns späten Kindern der Schiffsbauer der Horizont, ein grauer Baum aus den schwarzen Untiefen in die flackernden Unhöhen, sich räkelnd, langsam und gemächlich, weise und bedächtig, träumend und noch nicht erwacht. Hier war der alten Riesin ein Licht erstrahlt, ein Herz in roter Glut, das unsere Schiffe rief aus allen Meeren. Es wuchs nicht nur, da wir ihm näher kamen, brannte sich seinen Weg hinauf durch Stamm und Rinde, und entzündete die Krone. Laut schrie sie auf, als der Feuervogel sich erhob, brannte hernieder und ließ im großen Feuer Fels und Asche regnen über das hungrig Meer. Trost schenkten unserer Schiffe Bannsängerinnen dem sterbend Kind, als ihr Gesang es zurück in den Schlaf wiegte. Aus der niedergehenden Asche entstieg zögerlich das karge Land, in dessen Fels sich die Spiegel aus schwarzem Glas befanden. Als der graue Regen lag und der Bernsteinvogel durch den dunklen Schleier auf das Land blickte, wuchsen aus des Baumes Asche zahllos seine Kinder, tausendäugig und von dunkler Rinde, die Schwarzeiben, und blickten zurück.

~ Die erste Reise, Norn
Sternenkleid
·Schwarze Federn kleideten den alten Wanderer, der den Vater bezwang. Gesehen ward er auf Rabenbein stolzierend, mit acht Augen über schwarzem Schnabel blickend, und mit Vogelkrallen an sechs Armen auflesend, als er aus der falschen Höhle schritt und alle blickend Vögel aufschraken. Nicht Rabe noch Weberin verschmähten ihn seine Väter, sodass wir Schwestern ihn lehrten. Doch wob er mit unserer Kunst das Schicksal des Vogelvaters, spielte auf der großen Harfe die Echos der sterbenden Baummutter und zwang ihn in den Schlaf. Hier zerriss er den Himmelsvogel, aus seinen Federn das Sternenkleid über die Geisterpfade zu weben. Das Phoenixei aber trug er durch Geisterpforten ins Land der Schlangen im großen Meer. So ward aus dem Geist ein Gott, und schwarze Vögel kamen vom schlafenden Wald herab, um von seinem Werk zu berichten, und brachten die Saat der alten Bäume hinab ins Schlangenland.·

~ Schicksalsaugen, Erl
Traumwald
"Endlos erstreckte sich der lauernde Wald, gebrochen nur von hohem Fels und schwarzen Tümpeln. Von den steinernen Anhöhen aus zürnten stolze Greifen, in den Wurzeln wachten geduldige Weberinnen, aus dem Geäst blickten wissbegierige Aschevögel, alte Raben, und immer, wenn die Tümpel ruhten, lauerten hungrige Najaden. Doch wenn die tausendäugig Bäume schliefen, wanderten durch den lauernd Wald wir Dryaden auf unserer Erinnerung entnommen alten Pfaden, welche unsere Mutter, die wir nie sahen, uns mit ihren Wurzeln dereinst zog."

~ Geisterpfade, Ur
Wurzelwelt
"Seit dem Tag, an dem die lange Nacht began, brannte am Ende jedes unserer alten Pfade ein kaltes Feuer in den finstren Tümpeln, am Anfang aller Pfade aber der große Sternenriss, an dem die Mutter stand. So trugen auch wir auf unseren Wanderungen unser Licht zum Gestirn. Hier aber fanden wir im Wasser das tote Land, tief unter dem endlosen Wald, und in den Sternen die Pforten dorthin. Und dort sahen wir, dass ihre Wurzeln einst nicht im alten Wald endeten, sondern von deren Gipfeln und hohen Hügeln aus auch die zweite Welt durchzogen."

~ Himmelspforten, Ur
Zeit der zweiten Sonne
Bebend erbrannte das starre Land, als das Ei barst und die gläserne Erde sich zu Fluten ergoss. Die schlafenden Schlangen, einst Najaden geboren, krochen abermals durch den Schlamm, einander und Meereswesen zu verschlingen. Auch erwachte die schlafende Saat und überzog das Land mit Pflanzenwuchs, welcher Nahrung bot für Vögel des Himmels und den gehörnten Herden, die einst von unseren Schiffen den Najaden geopfert im Land der Schlangen überdauerten. All dies gedeihte unter den Schwingen des Bernsteinvogels, der abermals die Nacht entzündete und mit seinem Flug den Tag bringen sollte. Doch weckte des Vogels Schrei auch den Traumwald zwischen den Sternen, der hungrig blickte auf die Welt darunter. So stürzten die Greifen vom Himmelswald herab, ihn nie wieder zu betreten. Auch unsere Schiffe sanken auf die Welt hernieder, sie zu bevölkern mit unserart. Einzig das Schiff der Jägerin, dem sich stets alle Meere beugten, verblieb die Walde zu bereisen Tag und Nacht.

~ Das alte Land, Norn
Tiefenlicht
·Drei Städte auf ihren Reisen spenden Licht dem endlosen Schlund. Die älteste ist das Schiff der Jägerin, dem sich alle Meere beugen. Die zweite ist das hohe Licht, zu dem alle Geisterpfade führen, an dem die träumende Königin ruht. Die dritte bereist auf dem Rücken des Bernsteinvogels die Welt, so nah an seinem Feuerkleid umhüllt von gerötetem Licht. Und von beiden Seiten der trügerischen Wellen leuchten sie herab in die Tiefenwelt. Hierhin ziehen junge Miragen aus den Spiegeln, um dort in den Herzen Fremder zu erwachsen und mit ihnen in den Wald zurückzukehren. Hierhin stürzen Phantasmen aus dem Geäst, um die Geister Träumender in den Wald zu entführen und ihre Herkunft vergessen zu machen. Und hier wandern die Miasmen, ihren Schwermut über die dort Lebenden zu legen, und das Ende ihrer Pfade zu erkunden.·

~ Die gelogene Welt, Erl

Geister sind das erwachte Bewusstsein eines weltlichen Äquivalentes, etwa eines Lebewesens oder abstrakteren Konzeptes. So wie Lebewesen oft im frühen Kindesalter Erinnerungen sammeln und ein Bewusstsein entwickeln können, erwacht auch manch altem Gewässer, Gewächs, Wald oder einer Herde ein Naturgeist, sowie alten Gegenständen und Gebilden, wie Schiffen, Bögen und Städten ein Kulturgeist. Mit Art des Äquivalentes gehen für den Geist Fähigkeiten und Pflichten einher.

Das Erwachen eines Geistes geht nur langsam vonstatten, und oft erinnern sich die Geister früherer Ereignisse nur gleich einer fernen Kindheit, bruchstückhaft und an einschneidenden Momenten am klarsten. Zum Traum verlassen Geister ihr weltliches Äquivalent und streifen in der astralen Anderswelt umher, wirken mit ihrer Anwesenheit aber bereits auf die Dieswelt und können derart wahrgenommen werden.

Bei Beschädigung ihres Äquivalentes werden Geister schwächer und verenden mit dessen Zerstörung. Diesem Schicksal vermögen einige jedoch zu entkommen, indem sie sich durch Besetzen geeigneter Behältnisse oder durch Geburt eine neue sterbliche Hülle aneignen. Meist ist der Verlust des Äquivalentes jedoch ein traumatisches Ereignis, das Erinnerungen und Charakter des Bewusstseins beschädigt. Zur Wiedergeburt fähige Geister sind als Gottheiten, zur Besetzung fähige als Dämonen bekannt.

Mittjahreskind
Zu Mittwinter und Mittsommer geborene Kinder haben eine natürliche Begabung Nornhexereien zu erlernen.

Drittes Auge
Ein drittes Auge auf der Stirn erlaubt Geister zu sehen.
Mehrlingskind
Als Mehrlinge geborene Kinder haben eine natürliche Begabung Erlhexereien zu erlernen.

Mehrlingsleid
Starke Gefühlsregungen werden den übrigen Mehrlingen zuteil.
Mondkind
Zu einer Mondfinsternis geborene Kinder haben eine natürliche Begabung Urhexereien zu erlernen.

Krallenwuchs
Mondkindern wachsen Krallen anstelle der Finger- und Zehennägel.
 .: Am Mammutgrab [Rollenspiel]
Bearbeitet am 21.08.2015, 09:22
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« "Erwachen des dritten Auges"
oder
"Die Furcht vor dem eigenen Ich" »



Es gab kein Entrinnen, denn wie sollte sie auch vor ihrer eigenen Bestimmung davonlaufen?
Staub und Dreckklumpen wirbelten unter ihren Hufen auf, als Izar über die Steppe galoppierte. Die Landschaft um sie herum verwischte vor ihren Augen, verwandelte sich in einen braungelben Farbfleck unterhalb und einen sattblauen oberhalb.
Ihre wilden, gelockten Haare und ihr Schweif wallten wie rabenschwarze Schleier hinter ihr her. In den letzten Strahlen der Abendsonne glühte ihr Fell auf wie eine rotgoldene Flamme und die Haut ihres Oberkörpers schimmerte bronzefarben.
Doch nicht nur ihr Äusseres schien zu brennen, auch in ihrem Innern verspürte die Centaurin eine ungewohnte Hitze. Sie war ihr nicht unangenehm, im Gegenteil, sie fühlte sich dadurch angetrieben, gestärkt. Sie wühlte ihren Körper auf, brachte ihr Blut in Wallung.
Mit all ihren Sinnen wollte sie die Freiheit in sich aufnehmen, welche sie umgab.
Sie atmete tief ein, nahm den abendlichen Geruch wahr, welcher ihr Geschichten über den vergangenen Tag zu erzählen schien. Sie konnte die Herde Bisons riechen, welche vor einigen Stunden hier vorbeigezogen waren. Sie schmeckte die Feuchtigkeit der Luft auf der Zunge, als würde sie direkt am Flusslauf stehen, der sich doch noch in einiger Entfernung befinden musste.
Geräusche bündelten sich in ihren Ohren, so konnte sie das Kreischen eines Raubvogels ausmachen und in der Ferne vernahm sie das autoritätsheischende Brüllen eines Höhlenlöwen.
Izar breitete ihre Arme aus, während sie weiterpreschte, sie hatte das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu können.
Die junge Centaurin schloss die Augen und einen wunderschönen Moment lang hatte sie den Eindruck abzuheben und wie ein Rabenvogel auf Flügeln durch den Himmel getragen zu werden.

Doch dann - heftiger, allumfassender Schmerz.
Izar schrie gepeinigt auf. Es war, als würde das Urfeuer selbst in ihr wüten. Was sie zuvor noch als eine berauschende Energie empfunden hatte, wollte sie nun innerlich verzehren.
Die Centaurin strauchelte und ihre Augen weiteten sich, als die ganze Qual sich jäh in einem einzigen Punkt ihres Körpers bündelte. Ihr Kopf schien zu bersten und ihr Blick trübte sich. „Ich brenne“, kam ihr ein einziger klarer Gedanke.
Ihre Instinkte übernahmen die Führung, liessen keinen vernünftigen Schluss mehr zu. Die Beine gehorchten ihr nicht mehr, trugen sie immer weiter auf ihrer Flucht.
Über ihr krächzte ein Rabe, verfolgte aus glasklarem Blick ihren gestreckten Galopp, doch sie liess ihn hinter sich zurück, wie sie auch alles andere hinter sich zu lassen schien.

Sie bemerkte nicht, wie sie plötzlich weicheren Boden unter ihren Hufen hatte, wie die Luft an Feuchtigkeit zunahm und kühler wurde. Untrüglich hatte sie ihr Überlebenstrieb an den einzigen Fluss in ihrer Nähe gebracht, welcher seine Quelle in den Mondbergen hatte und vom kühlen Schmelzwasser gespeist wurde. Wie eine Verdurstende kämpfte sie sich zu dem Wasser vor. Ihr Blick klarte sich auf, doch weder sah sie die Tiere, welche beim Trinken innegehalten hatten, um die stürmische Besucherin misstrauisch zu beäugen, noch bemerkte sie das unscheinbare Wesen, welches auf den Stromschnellen dahinzutreiben und herumzuwirbeln schien.
Immer noch tobten die Flammen durch ihren Körper.
„Wasser“, keuchte sie und ihre Worte klangen wie ein Krächzen, als ob sie schon tagelang keinen Tropfen Flüssigkeit mehr zu sich genommen hätte.
Endlich durchbrachen ihre Hufe das kühle Nass. Völlig entkräftet zwang sie sich weiter. Ihre Beine wurden sachte umspült und ab der sanften Berührung seufzte sie erleichtert auf.
Doch noch immer schmerzte ihr ganzer Leib und ihr Kopf schien von tausend Bienen attackiert zu werden. Immer weiter wagte sich die Centaurin vor, bis zuerst ihr Bauch, ihre Flanken und schliesslich ihr ganzer Pferderücken Linderung erfahren konnten. Ihre Handflächen lagen auf der Wasseroberfläche und sie spürte, wie das Leben unter ihren Fingern pulsierte.
Ein schwarzer Schatten flog über ihren Kopf hinweg und stiess ein warnendes Krähen aus. Doch Izar hatte die Welt um sich herum vergessen. Sie war wie in einem Albtraum gefangen, aus dem sie sich befreien wollte. So bemerkte sie nicht die unmittelbare Gefahr, in welche sie sich begab.
Ihr Körper befand sich nun bis zum Hals unter Wasser. Wieder stöhnte die Centaurin voller Schmerz auf, denn die ganze Hitze schien sich nun in ihrem Kopf angesammelt zu haben, dem einzigen Teil ihres Leibes, der sich noch nicht den Liebkosungen des Flusses hingegeben hatte.

Die junge Frau blickte sich um, schien mit fiebernden Augen etwas zu suchen und keuchte entsetzt auf. Nur etwa einen Meter von ihr entfernt starrte sie ein Wesen an, wie sie es noch nie in ihrem kurzen Leben gesehen hatte. Eisklare, blaue Augen beobachteten sie, schienen fast nachdenklich auf sie herabzublicken. Wie Eiszapfen durchbohrte sie der Blick des Geistes und es war ihr, als würde er bis tief in ihr Innerstes hineinblicken und die Qualen, welche sie litt, erkennen.
Izar versuchte, seine genaue Gestalt auszumachen, doch wie auch das Wasser des Flusses schien er immer in Bewegung zu sein, nie stillzustehen. Mal verschmolz er mit einer Welle, um dann wie kristallene Tropfen auseinanderzusprengen und sich eine Sekunde später wieder zusammenzufügen. Es schien ihr fast, als wäre er eins mit dem Wasser. Sein Körper hob sich auch farblich kaum davon ab, er schien jedoch von Innen heraus grünlichblau zu leuchten, so als würde die Sonne durch ihn durch schimmern.
Die Centaurin zuckte zusammen, als eine neue Flut von Schmerz sie überrollte. Trotz der Blitze, welche durch ihren Kopf zuckten und ihren Blick mit einem Schleier überzogen, bemerkte sie, wie der Flussgeist plötzlich die Hand nach ihr ausstreckte, oder war es nur das Aufspritzen des Wassers?
Das Mädchen wollte ausweichen, doch im selben Moment erfasste sie ein Strudel. Ihre Beine konnten sich nicht weiter gegen die Kraft des Wassers stemmen, und sie spürte, wie der Fluss sie mit rauer Gewalt erfasste. Das letzte was sie sah, waren die Augen des Geisterwesens, welches ihr aufmunternd zuzunicken schien. Dann wurde sie umgerissen, das kalte Wasser schwemmte über ihren Kopf hinweg.
Im selben Moment, wie sich der brennende Schmerz in ihrem Innern auflöste, erwachte ihr Bewusstsein aus seiner Ohnmacht. Mit aller Kraft, welche ihrem Körper noch geblieben war, kämpfte sie gegen die Wassermassen, welche sie mit sich ziehen wollten. Die entkräftete Centaurin schaffte es, sich vom Boden abzustossen, durch die Oberfläche zu brechen und verzweifelt nach Luft zu schnappen, bevor sie die Stromschnellen wieder mitrissen. Immer wieder schienen ihr die Sinne zu schwinden. Doch jedes Mal meinte sie paar klare Augen zu sehen, welche sie zum weiterkämpfen motivierten.

Izar wusste nicht, wie weit der Fluss sie mit sich getragen hatte oder wie viel Zeit vergangen war, bis sie wieder festen Boden unter ihren Hufen verspürte. Sie hatte sich mehr tot als lebendig ans Ufer gekämpft, war immer wieder gestrauchelt und schliesslich kraftlos zusammengebrochen.
Die Nacht hatte ihren dunklen Umhang ausgebreitet, und nur der Mond und die Sterne erhellten die Steppe und den zerbrechlichen Körper der Centaurin, welcher von Schrammen übersät war.
Ihr Atem ging flach und ihr nasser Körper zitterte an der frischen Luft, doch trotzdem verfiel sie in einen unruhigen, traumlosen Schlaf.

Erst als die Sonne bereits hoch am Himmelszelt stand, erwachte Izar aus ihrer erholsamen Ruhe. Sie fühlte sich schwach, doch ausgeruht. Ihr Fell war an der aufgewärmten Luft vollends getrocknet und der Steppenwind streichelte beruhigend über ihre bebenden Flanken.
Vorsichtig stützte sie die Hände ab, grub ihre wunden Finger in die Erde und genoss es, die tröstliche Ruhe und Kraft des Bodens in sich aufzunehmen.
Als ihr Blick zum Wasser glitt, zuckte sie unter der Last der Erinnerungen zusammen. Aufmerksam suchte sie den Fluss ab, doch fand sie das Geisterwesen nicht. Sie zweifelte bereits an ihrem Verstand und ihrer Wahrnehmung, die durch die unvorstellbaren Schmerzen getrübt gewesen waren.
Trotzdem… die klaren Augen konnte sie immer noch deutlich vor sich sehen.
Sie schüttelte den Gedanken ab und kämpfte sich vorsichtig auf die noch wackeligen Beine. In ihrem Kopf schien sich alles zu drehen und sie brauchte einen Moment, um sich zu fangen.

Izar fühlte sich anders. Ängstlich und doch neugierig lauschte sie in sich hinein. Der Schmerz hatte eine seltsame Leere in ihr hinterlassen und sie hatte das unbewusste Gefühl, diese wieder auffüllen zu müssen.
Plötzlich drängten sich die Bedürfnisse ihres geschundenen Körpers in ihr auf, und sie bemerkte das Kratzen in ihrer durstigen Kehle. Sie stolperte mehr zum Wasser, als dass sie schritt, und liess sich auf die Knie niedersinken. Der Fluss wirkte trügerisch ruhig und offenbarte nicht seine reissende Kraft, welche er ihr imposant demonstriert hatte.
Izar tauchte ihre Handflächen ins kühle Nass. Es floss über ihre Finger und sie fühlte sich sofort viel lebendiger. Sie hob das Wasser an ihr Gesicht, wollte gerade die Lippen ansetzen… und mit einem Schrei, in welchem das ganze Entsetzen, die ganze Furcht der letzten Stunden zu hören waren, prallte sie wie von einer Wand zurück.
Ihr Atem ging stossweise und sie zitterte am ganzen Leib. Nahm denn dieser Albtraum niemals ein Ende.
Alles in ihr wollte sie dazu zwingen aufzuspringen und wegzurennen, weit hinfort und bloss nicht zurückzublicken.
Doch die junge Centaurin musste sich Gewissheit verschaffen.
Langsam beugte sie sich nach vorne, dem Wasser entgegen, das sanft gegen ihre Knie schwappte. Wieder dachte sie an die Liebkosungen des Flusses und an die klaren, blauen Augen.
Sie sträubte sich dagegen und trotzdem wandte sie nun ihren Blick der Wahrheit zu, welche sich unausweichlich in dem Wasser spiegelte.
Zwei dunkle Augen begegneten ihrem Blick. Angstvoll waren die Pupillen vergrössert und wirkten fast so schwarz wie das Gefieder der Rabenvögel.
Doch nicht ihr Anblick war es, der Izar vor Furcht erstarren liess. Es war das dritte Auge auf ihrer Stirn, welches mit offenem, ehrlichem Blick direkt mitten in ihre Seele zu zielen schien. Die goldbraune Farbe leuchtete lebendig und doch schien dahinter eine Weisheit verborgen zu sein, welche ein Lebewesen nicht einmal in hunderten von Jahren ansammeln könnte.
Mit einem erstickten Schrei fiel Izar in sich zusammen und empfing die erlösende Dunkelheit mit Erleichterung.

Bearbeitet am 14.10.2015, 12:17
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Izar

« Aufbruch »



Mit wachem Blick beobachtete Izar die anderen Centauren, die in einem gemütlichen Trab, der sie alle nicht zu sehr erschöpfte, vorwärtsliefen. Zwei junge Männer sprachen miteinander, der Rest der Jäger schwieg jedoch, um die Gegend aufmerksam zu beobachten, oder um sich auf den eigenen Körper und die eigenen Gedanken zu besinnen.

Auch die junge Frau, welche als einzige nicht dabei war, um an der Jagd teilzunehmen, lauschte in sich hinein. Ihr Herz pochte regelmässig und kräftig pumpte es die rote Lebensenergie durch ihren Leib. Obwohl Izar als Pilgerin im Schutz der Gruppe mitreiste, hoffte sie doch auf die Gelegenheit, die beeindruckenden Mammuts zu sehen und vielleicht sogar mithelfen zu dürfen, ein solch Ehrfurcht erregendes Geschöpf zu erlegen. Ihre Grossmutter hatte ihr zwar eingeschärft, sich niemals unnötig in Gefahr zu begeben, doch wenn sie ihre Reise später ohne ihre Sippe fortsetzte, wäre sie noch ganz anderen Wagnissen ausgesetzt. Ausserdem widerstrebte es ihr, Befehlen Folge zu leisten, auch wenn sie wusste, dass Mamanesh ihr bloss einen gutgemeinten Rat mit auf den Weg geben wollte.

Die junge Frau erinnerte sich noch klar an den Aufbruch.
Während die Centauren, welche an der grossen Jagd teilnahmen, letzte Vorbereitungen trafen, hatte auch Izar sich von ihrer Familie verabschiedet. Es fiel ihr leicht, ihrer Mutter auf Wiedersehen zu wünschen und auch mit ihren wenigen Freunden hatte sie schnell einige Glückwünsche gewechselt. Um einiges Schwerer fiel es ihr von ihrer Grossmutter Abschied zu nehmen.
Als sich die beiden Frauen, die junge, von Neugier getriebene Izar mit ihrem oft ungestümen Charakter und die ältere, besonnene Mamanesh mit ihrem weisen Blick umarmten, meinte Izar eine feuchte Träne in den Augenwinkeln der anderen wahrzunehmen. Schon war der Moment jedoch vorüber und das Gesicht der Alten hatte sich bereits wieder gestrafft. Prüfend blickte sie in das von Runzeln durchzogene Antlitz, konnte jedoch nur die Zuneigung, Sorge, aber auch Entschlossenheit darin erkennen, welche die beiden Frauen miteinander verband.
„Ich wünschte, ich wäre noch einmal so jung, um mit dir zusammen diese Reise begehen zu können“, begann Mamanesh, „doch dies würde alleine auf meinem egoistischen Denken beruhen, dich beschützen und leiten zu wollen. Du jedoch musst deinen Weg und deine Bestimmung selbst finden. Kehre erst zurück, wenn du die heilige Stätte aufgesucht hast und dich deiner sicher fühlst. Lerne die Welt kennen, sieh immer das Gute in allem Lebenden. Nimm dich jedoch vor unnötigen Gefahren in Acht und halte alle deine Augen immer offen.“
Die letzten Worte hatte sie mit einem nachsichtigen Lächeln ausgesprochen, denn sie wusste nur zu gut um die Abwehr ihrer Enkelin gegenüber ihrem dritten Auge, welches auch jetzt unter einem locker gebundenen Stirnband verborgen blieb.
Ihr Blick durchdrang die Jüngere. Dann kramten ihre Hände in der Umhängetasche, welche sie immer bei sich trug und förderten einen schwarzen Stein an einem Lederband zu Tage.
„Dies ist ein Glücksbringer. Es ist der Splitter eines Sterns, der verglüht und vom Himmel gefallen ist. Behalte ihn stets in deiner Nähe, er wird dir Kraft und Weisheit schenken.“ Dann veränderte sich der Ausdruck ihrer Augen und mit wissender Stimme fügte sie noch hinzu: „Ausserdem ist er voll von Magie. Wenn du dazu bereit bist, wird er dir von wertvollem Nutzen im Umgang mit der Rabenhexerei sein.“
Izar umschloss den Stein mit ihren Fingern. Er war noch warm von der Berührung der anderen Frau und fühlte sich angenehm rau in ihrer Handfläche an.
„Ich danke dir, Mamanesh“, antwortete Izar gerührt. Sie hatte plötzlich das Gefühl, als würde eine dicke Kröte in ihrem Hals festsitzen, die sie am Reden hinderte. Wann würde sie wieder zurückkehren? Vielleicht würde es Jahre dauern. Und wer vermochte schon zu sagen, ob ihre Grossmutter, Freundin und Lehrerin dann noch unter ihnen verweilte?
„Ich werde deine Worte in meinem Herzen tragen und mich immer an sie erinnern.“
Bevor ihre Emotionen sie zu überwältigen drohten, nickte sie ihrer Grossmutter noch einmal zu, dann machte sie rechtsumkehrt und ohne sich noch einmal umzublicken schloss sie sich den Jägern an, welche bereits im Aufbruch begriffen waren.

Verfasst am 26.11.2015, 12:01
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Izar

« Der Traum »



Sie waren nun einige Tage unterwegs und man merkte den Jägern die innere Unruhe an. Sie hatten bereits Spuren von Tierherden gekreuzt, doch dabei handelte es sich vermutlich um Bisons oder andere Rindartige.
Auch Izar verspürte die Aufregung, hatte sie doch noch nie ein lebendiges Mammut gesehen. Aber dafür umso mehr Geschichten gehört von ruhmreichen Jägern ihres Stammes, aber auch von Kämpfen, wo die Krieger den stolzen Tieren unterlegen waren. Man berichtete sich, dass die Tiere gross wie Bäume waren und so kräftig wie hunderte Ochsen zusammen. Mit einem einzigen Tritt könnten sie Löwen töten oder zumindest auf schwerste Weise verletzen.
Obwohl ihre Grossmutter meinte, sie solle nicht alle Geschichten glauben, sprach sie doch auch mit viel Respekt von diesen Geschöpfen.
Mit einem wehmütigen Lächeln dachte Izar an Mamanesh, welche ihr immer gepredigt hatte, dass jedes Lebewesen ein Geschenk sei und man es mit Achtung behandeln sollte.

Der Abend begann langsam herein zu dämmern, als der Anführer den Befehl zur Rast gab. „Wir werden hier etwas länger verweilen. Die Tiere müssen ganz in der Nähe sein und wir wollen für die bevorstehende Jagd ausgeruht sein“, mit diesen Worten begann die Gruppe sich für die Nacht einzurichten.
Auch Izar beschloss, wieder einmal richtig zu schlafen und legte sich im Schutz der Gruppe nieder. Ihre Gedanken wirbelten im Kopf herum. Sie dachte an die Worte ihrer Grossmutter, an die mächtigen Mammuts, aber auch an ihre bevorstehende Reise zur heiligen Stätte, welche sie alleine zurücklegen musste.
Irgendwann verfiel sie in einen erholsamen Schlaf.

Sie fand sich auf einer Hügelkuppe wieder. In ihrem Rücken fanden sich die schneebedeckten Gipfel der Berge. Zu ihrer rechten Seite erstreckte sich ein sanfter Flusslauf, der sich in immer kleineren Verläufen verzweigte und im Nichts zu enden schien.
Links erstreckte sich eine weitere Hügelkette, wo sie in weiter Ferne dunkle Punkte ausmachen konnte, die sich langsam hinfort bewegten.
Als Izar ihren Blick jedoch auf das Geschehen vor ihr umwandte, schnappte sie erstaunt nach Luft.
Zu ihren Füssen befand sich ein Sumpfgebiet, welches wohl vom Wasser des Flussverlaufes gespeist wurde, der hier sein Ende gefunden hatte. Es herrschte völlige Stille, was die junge Centaurin verwunderte. Keine Vögel, keine anderen Tierstimmen, nicht das Rauschen des Windes oder das Plätschern des Wassers waren zu hören. Vielleicht hatten die Hügel und Felsen die Geräusche verschluckt.
Izar wandte den Blick wieder ab und wollte mit den Augen den Gestalten folgen, die bereits zuvor ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten, da vernahm sie plötzlich eine Stimme.
„Da gehen sie dahin.“
Der Klang erfüllte die Centaurin mit Trauer und doch wirkte er auch seltsam beruhigend. Ihre Anspannung verflog und sie wandte ihren Blick um.
Neben ihr erhob sich der mächtigste Körper, den sie je gesehen hatte. Das zottelige Fell hing dem Geschöpf wie ein alter, verfilzter Mantel über dem Leib. Seine Beine waren dick wie junge Baumstämme, und doch machte es den Anschein, als könnten sie ganz behutsam auftreten. Ein langer Rüssel schlenkerte sanft über dem Boden hin und her und unter dem etwas spärlicheren Fell waren unzählige Runzeln zu erkennen.
Das Gewicht der zwei mächtigen Stosszähne schien das Tier nicht zu belasten, im Gegenteil es trug sie mit einer Würde und Eleganz, die seinem Alter nicht zuzutrauen gewesen wäre. Izar fiel auf, das der eine Zahn abgebrochen war – vermutlich als Folge von Machtkämpfen.
Trotz allem fesselte die Centaurin vor Allem der Blick des Mammuts. Seine Augen waren erfüllt von Weisheit und Sanftheit und Izar war überzeugt, dass dieses Wesen niemandem aus Bosheit Schaden zufügen würde.
„Ich habe noch nie einen wie dich gesehen“, erklärte Izar und kam sich gleichzeitig naiv vor, da sie mit einem Mammut sprach, das vermutlich nur in ihrem Traum existierte, denn so viel war ihr inzwischen bewusst geworden, dies konnte nicht die Wirklichkeit sein, in welcher sie lebte.
„Du wirst noch viele meiner Art sehen. Deine Reise wird dich weit herumführen und unterschiedlichsten Lebewesen wirst du begegnen. Du sorgst Dich, alleine zu verbleiben. Doch ich sage Dir: Du wirst niemals einsam sein.“
Izar fühlte sich an ihre Grossmutter erinnert, welche auch oft auf diese Weise zu sprechen vermochte.

Die Centaurin wollte darauf antworten und nachfragen, doch plötzlich spürte sie, wir ihr ganzer Körper durchgeschüttelt und aus dem Schlaf gerissen wurde. „Wach auf du Faulpelz! Wir haben die Mammuts entdeckt, sie befinden sich ganz in der Nähe!“, sofort wurde auch Izar von Aufregung gepackt und der Traum schien vergessen.
Bald war das provisorische Lager abgebrochen und die Jäger trabten in zackigem Schritt ihrer Beute hinterher. Izar kam die Szene seltsam bekannt vor. Sanfte Hügelkuppen, die Gipfel der Berge im Hintergrund, der sich verzweigende Fluss an ihrer Seite. Fehlte bloss noch….

Izar wurde aus ihren Überlegungen gerissen, als der Anführer sich zu ihr umwandte. „Ich möchte nicht, dass du an der Jagd teilnimmst. Du hast eine andere Aufgabe zu bestehen.“ Sein strenger Blick verdeutlichte ihr, dass er keinen Widerspruch dulden würde. Einen Augenblick lang rang sie mit der Vorstellung, Widerstand zu leisten und sich trotzdem der Gruppe anzuschliessen.
Dann jedoch begnügte sie sich mit einem resignierten Seufzen und einem verächtlichen Blick.
Die anderen hatten bereits einen Vorsprung. Izar und ihr Anführer galoppierten gemeinsam los bis sich ihre Wege trennten. Die junge Centaurin hatte beschlossen, die Jagd aus der Höhe zu beobachten und bewegte sich auf eine Anhöhe hinauf, von der sie einen guten Ausblick auf das Geschehen haben würde. Sie meinte, bereits die Geräusche der Mammuts in ihren Ohren zu vernehmen, welche sich bloss noch einige hundert Pferdelängen entfernt befinden mussten.

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