Banner

Seevölkerinseln Nördliche Seevölkerinseln Sommerweiden Eislandbucht Erlmoorland Erlwasser Windlandsteppen Obsidiankap Wisperwälder Grimbergküste Grimwälder Phoenixküste Regeninseln Nordnornküste Nornbergküste Ostwindlinge Donnersteppen Grimwasser Phoenixwasser Donnerhallberge Weststromland Gefrorenes Land Donnerküste Polare Eisdecke und Packeis Die Landschaft ist reich an steinigem Hügelland und großem Fels, der aus der Erde bricht und jeden Donnerschlag laut erhallen lässt. Eher schwach bewaldet sind es zunächst lose Baumgruppen, die gigantische Ausmaße annehmen. Oft kommen schwere Nebel von den Bergen, die von großen Stürmen abgelöst werden, bis die Sonne wieder durch die dunkle Wolkendecke bricht.

Frühjahr
Durch das immer länger scheinende Licht der Sonne erwachen die Waldgottheiten aus ihrem Schlaf und lassen die Pflanzen neu erblühen. Die ersten Tierherden wandern wieder nach Norden, wo das Nahrungsangebot nun reichhaltiger ist.
Sommer
Durch Schmelzen von Schnee und Eis führen vor allem der große Gletscherfluss, aber auch andere Gewässer starke Strömungen und höhere Wasserpegel. Zusammen mit auftauenden Böden führt dies zu weitreichenden Versumpfungen und Überschwemmungen, die auch noch viele Ortschaften weit fern der Flussufer treffen. Die großen Tierherden sind alle in den Norden zurückgekehrt.
Sommersonnenwende
In der Sonnenwendnacht, der kürzesten des Jahres, können Geister auch von Sterblichen erblickt werden. An manchen Stellen zeigen sich zu dieser heiligen Zeit auch Orte der Geisterwelt.
Herbst
Während die Gewässer zurücktreten, erblühen und reifen viele Kräuter und Früchte. Die ersten Tierherden wandern zu dieser Zeit nach Süden. Die großen Hirsche tragen zu dieser Zeit mächtige Geweihe und streiten um das Vorrecht eine Herde zu führen.
Winter
Während die Pässe in den Hochgebirgen zunehmend unbegehbar werden, legen sich die Waldgottheiten und Waldgeister schlafen, wodurch auch die Pflanzen in den Schlaf fallen. Die großen Tierherden sind alle im Süden angekommen und die großen Hirsche werfen ihr Geweih ab.
Wintersonnenwende
Zur Wintersonnenwende, der längsten Nacht des Jahres, tobt in den hohen Bergen die wilde Jagd der Jagdgottheiten. In dieser Nacht werden Opfergaben dargebracht, um sie zu besänftigen.

Polare Steppen und Sommerweiden

Die schwach bewaldeten Eislande, die südlichen Mondbergtäler und Windlande, in welchen auch im Sommer noch Schnee liegt, sind in der Sommerzeit reich an Gräsern, Sträuchern, Kräutern, Moosen, Farnen, Flechten und Blumen. Im Winter ist die kleinwüchsige Vegetation jedoch tief eingeschneit, sodass ein großer Teil der dort heimischen Fauna gefolgt von großen Raubtieren in den Süden wandert, um zum Sommer wieder die Wanderung nach Norden anzutreten.
2 m
3 t

Wollnashorn

Wollnashörner sind Pflanzenfresser, die hoch im Norden leben und sich von den Gräsern und Sträuchern der Steppen ernähren. Sie besitzen kein gutes Sehvermögen und sind so leicht aufzuschrecken, worauf sie stets in den Angriff übergehen. Unter ihrem braunen Fell verbringen sie auch die Winterzeit im hohen Norden und leben für eine Weile von ihren Fettreserven.



1,7 m
1 t

Düsterbär

Aufgerichtet 3,4 m hoch sind Kurznasenbären die größten aller Raubtiere und halten keinen Winterschlaf. Aufgrund der langen Gliedmaßen sind sie zudem ein schneller Läufer, der Rinder, Hirsche und Wildpferde erlegt, auch größere Tiere attackiert und selbst anderen Raubtieren ihre Beute erfolgreich streitig macht.



1,7 m
700 kg

Buschochse

Buschochsen leben in den Tiefebenen und Flusstälern und ernähren sie sich von Sträuchern, Birken, Weiden, Kräutern, Flechten und Moosen.



1,5 m
350 kg

Höhlenlöwe

Höhlenlöwen sind die größten Raubkatzen. Sie sind zumeist Einzelgänger und jagen in den Steppen Hirsche, Rentier, Pferde oder Humanoide. Doch vor allem ihr Gebrüll, mit welchem sie ihre Territorien abstecken, wird weit über die Lande vernommen. Höhlenlöwen leben vor allem nahe den hohen Gebirgszügen im Norden.



1 m
100 kg

Hyäne

Hyänen leben in Höhlen und Bauten, in denen sie auch ihren Nachwuchs aufziehen.



0,8 m
60 kg

Grauwolf

Gemeine Wolfsrudel mit 4 bis 15 Tieren jagen vorwiegend Rentier, Wildschweine und kleinere Tierarten, können aber nach tagelangem Ringen auch ein Rind erlegen. Da ihre Beutetiere nicht mit den Herden wandern, verbleiben auch sie oft in den Bergen.
Vor allem in Vollmondnächten hallt ihr Geheul über die Lande.



Nordwälder

Tief in den gewaltigen Wäldern wachsen die Bäume hoch und sind Jahrtausende alt. Es sind unheimliche Orte, die kaum Tageslicht zulassen und nach nur wenigen Minuten die Orientierung rauben. Neben den zahlreichen Nadelbäumen haben es auch einige Laubbaumarten wie die Birke, Erle und Weide geschafft in unwirtlichen Gegenden zu überdauern.
3,4 m
6 t

Mastodon

Mastodonten sind kleiner als Mammuts, jedoch etwas länger als ihre Verwandten. Ihre Stoßzähne sind flacher nach oben gebogen. Sie leben in Wäldern westlich des großen Stroms und ernähren sich von Laub und Zweigen, wodurch sie zum Jahreszeitenwechsel nicht auf lange Wanderschaften angewiesen sind.



2 m
1 t

Auerochse

Auerochsen sind eher in Wäldern beheimatet und speisen dort vom Laub und den Sträuchern. Rinder sind ungemein ausdauernd und wehrhaft.



1,7 m
1 t

Höhlenbär

Höhlenbären sind Einzelgänger und aufgerichtet bis zu 3,4 m hoch. In Laubwäldern beheimatet ist hält der Höhlenbär Winterschlaf und ernährt sich vorwiegend von Pflanzen. Ein einziger Tatzenschlag oder Biss erweist sich für Humanoide als tödlich.



2,3 m
800 kg

Elch

Mit ihren langen Beinen vermögen die einzelgängerischen Elche Wölfen und Bären durchs Unterholz zu entkommen. Ihr kräftiger Rumpf speichert im Sommer angefressenen Fettvorrat, um den langen Winter zu kompensieren. Im Winter finden sie sich in lose Gruppen zusammen. Die Huftritte von Elchen sind tödlich und kaum abzuwehren.



1,7 m
500 kg

Düsterkeiler

Düsterkeiler sind gewaltige Wildschweine mit vier Hauern. Die Weibchen und ihr Nachwuchs leben meist in den Wäldern in Rotten beisammen und verlassen diese auch im Winter nicht, während welcher sie sich besonders gegen ebenfalls im Norden verbliebene Wölfe, Löwen und Bären wehren müssen. Keiler hingegen werden zunehmend zu Einzelgängern.



0,8 m
60 kg

Grauwolf

Gemeine Wolfsrudel mit 4 bis 15 Tieren jagen vorwiegend Rentier, Wildschweine und kleinere Tierarten, können aber nach tagelangem Ringen auch ein Rind erlegen. Da ihre Beutetiere nicht mit den Herden wandern, verbleiben auch sie oft in den Bergen.
Vor allem in Vollmondnächten hallt ihr Geheul über die Lande.


Steppenwanderer

Die großen Steppen der Weststromlande und Nordlandtundra werden vor allem von grasenden Zugtieren durchquert, die zum Frühjahr und Herbst in großen Herden und Stampeden wandern. Die hier gelisteten Tiere befinden sich im Sommer in den nördlichen Ebenen, und im Winter wiederum in den südlichen Ebenen. Trotz hohen Hügeln und Fels, Flussland, Tümpeln und Sümpfen kann man meist weit über das Land blicken und in weiter Ferne die Züge hoher Berge ausmachen. Mit nur wenigen kleineren Baumgruppen ist die Flora reich an Gräsern, Sträuchern, Kräutern, Moosen, Farnen, Flechten und Blumen.

3,8 m
6 t

Mammut

Einer Leitkuh folgend bilden Mammutkühe mit den Jungtieren Herden, die jedoch auseinandergehen, wenn die Nahrung knapp wird. Zum Winter gewachsenes Fell verlieren sie im Sommer wieder. Nach 60 bis 70 Jahren sind Mammutzähne derart abgenutzt, dass sie in sumpfigeren Gebieten nach weicher Nahrung suchen, dort verenden und Mammutfriedhöfe begründen.



2 m
1 t

Bison

Bisons und Wisents ernähren sich von den Gräsern der Steppen und wandern zum Winter in den Süden, um zum Sommer hin wieder in den Norden zurückzukehren. Rinder sind ungemein ausdauernd und wehrhaft.



2,1 m
600 kg

Riesenhirsch

Geweihe männlicher Riesenhirsche spannen bis zu 4 m, wiegen bis zu 50 kg und werden mit dem Ende der Brunft zu Winteranbruch abgeworfen. Hirsche leben in von einem Männchen geführten Herden in den Steppen. Gehörnte Hirsche meiden die Wälder aufgrund der Gefahr sich mit dem Geweih darin zu verfangen.



1,2 m
300 kg

Säbelzahn

Die meisten Säbelzahnkatzen jagen in von einem Männchen geführten Rudeln. In Pirsch- und Treibjagd sind Rinder oder Jungtiere von Wollnashörnern, Mammuts und Mastodonten übliche Beute. Aufgrund der Säbelzähne ist es ihnen nicht möglich Beute vollständig zu verzehren, sodass sie stets Aas für andere Raubtiere lassen.



1,4 m
270 kg

Gnu

Gnus leben in großen Herden im offenen Grasland.



1,4 m
200 kg

Rentier

Rentiere sind Herdentiere, die sich von den Gräsern der Steppen ernähren und mit den großen Herden wandern. Sie sind dunkelgrau gefärbt, tragen eine hellgraue Mähne und ganzjährig sowie geschlechtsunabhängig ein Geweih.



1,4 m
200 kg

Pferd

Wildpferde sind Herdentiere, die sich von den Gräsern der Steppen ernähren und mit den großen Herden wandern. Sie tragen eine gelbrötliche Fellfärbung mit hellen Flanken und eine aufrecht stehende Mähne.



1 m
80 kg

Düsterwolf

Düsterwölfe sind große und kräftig gebaute Wölfe mit kurzen Beinen. Sie leben in Rudeln von bis zu 30 Tieren, die von einem Rüden geführt werden und sind selbst gegenüber Artgenossen aggressiv. Zu den großen Wanderungen folgen sie den Herden, unter welchen vor allem Rinder erlegt werden.



Südland

Auch in den gewaltigen Wäldern im Süden wachsen die Bäume hoch und sind Jahrtausende alt. Und auch dies sind unheimliche Orte, die kaum Tageslicht zulassen und nach nur wenigen Minuten die Orientierung rauben, während zugleich die Vegetation am Boden jedes Vorankommen erschwert.

In den weiten Graslanden befinden sich zur Winterzeit die großen Herden des Nordens. Aber auch im Sommer ist hier eine reichhaltige Tierwelt anzutreffen.
4 m
12 t

Südelefant

Hauerelefantenbullen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 4 m und ein Gewicht von bis zu 12 t, während Kühe bis zu 3 m hoch werden und 6 t erreichen. Sie leben in den Wäldern des Südens



6 m
6 t

Faultier

Riesenfaultiere bewegen sich überwiegend vierfüßig fort, können sich jedoch auch auf die Hinterbeine aufrichten, um im Geäst von Bäumen Nahrung zu suchen. Nachtaktiv leben sie in den sumpfigen Wäldern des Südens, wo sie sich von Pflanzen und Tieren ernähren und auch manchen erfahrenen Jäger töten.



1,5 m
1,5 t

Pfeilzahn

Die Augen und Nüstern der Pfeilzähne liegen hoch am Kopf, sodass sie halb-aquatisch leben können. Sie verbringen den Großteil des Tages im Wasser und gehen in der Nacht für die Nahrungssuche an Land.




7 m lang
1 t

Waran

Als Lauerjäger fallen Warane ihre Beute aus dem Hinterhalt an und ernähren sich auch von Aas. Von ihnen gebissene Beutetiere sterben nach kurzer Zeit am Gift und können schließlich von den Waranen gewittert und gefunden werden.



1,8 m
1 t

Langhals

Langhälse mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,8 m leben in den Savannen und Feuchtgebieten des Südens und ernähren sich von Laub wie auch Gras.



3 m
400 kg

Waldbestie

Rindergiraffen gelten als große und robuste Verwandte von Antilopenartigen Huftieren, die ebenfalls im Süden beheimatet sind.



1,1 m
350 kg

Wildschwein

Wildschweine leben meist in den Wäldern in Rotten beisammen und verlassen diese auch im Winter nicht, während welcher sie sich besonders gegen ebenfalls im Norden verbliebene Grauwölfe, Höhlenlöwen und Kurznasenbären erwehren müssen.



6 m lang
1 t

Krokodil

Krokodile erreichen meist 5 m und 250 kg, wachsen jedoch ihr gesamtes Leben lang und können so größer werden. Sie springen aus dem Wasser und ertränken ihre Beute oder drehen sich um ihre eigene Achse, um sie von den Beinen zu reißen, tauchen eine Stunde und kommen ein Jahr ohne Nahrung aus. Im Süßwasser beheimatet überqueren sie auch die Meere.



1,1 m
260 kg

Tiger

Tiger sind nachtaktiv und verbergen sich zur Pirsch in dichtem Pflanzenwuchs am Boden.



1,2 m
230 kg

Löwe

Löwen leben in ihren Rudeln in den offenen Steppen des Südens von der West- bis zur Ostküste.



0,6 m
210 kg

Jaguar

Jaguare leben in den Wäldern. Sie können hervorragend klettern und Töten ihre Beute mit einem Sprung.



2,5 m
200 kg

Riesenbiber

Riesenbiber erreichen Längen von über 2,5 Metern und leben großteils im Wasser, wo sie auch ihre Heime bauen.



1,9 m
770 kg

Hirsch

Schulterhöhen von Hirschen variieren je nach Art zwischen 30 und 190 cm, im Gewicht zwischen 6 und 770 kg. Die meisten leben in Gruppen beisammen.




1 m
150 kg

Schaf / Ziege

Ziegen erreichen eine Schulterhöhe von 1 m und ein Gewicht von 150 kg.

Mufflon-Schafe erreichen eine Schulterhöhe von 90 cm und ein Gewicht von 50 kg.



1 m
100 kg

Hyäne

Hyänen leben in Höhlen und Bauten, in denen sie auch ihren Nachwuchs aufziehen.



0,8 m
60 kg

Grauwolf

Gemeine Wolfsrudel mit 4 bis 15 Tieren jagen vorwiegend Rentier, Wildschweine und kleinere Tierarten, können aber nach tagelangem Ringen auch ein Rind erlegen. Da ihre Beutetiere nicht mit den Herden wandern, verbleiben auch sie oft in den Bergen.
Vor allem in Vollmondnächten hallt ihr Geheul über die Lande.



0,7 m
70 kg

Gazelle

Saigas erreichen eine Schulterhöhe von 70 cm und ein Gewicht von 70 kg, Gazellen erreichen eine Schulterhöhe von 80 cm und ein Gewicht von 40 kg. Sie leben in flachen, weiten Steppen in Herden von bis zu 40 Tieren beisammen, bilden zu den Jahreswanderungen aber auch Wanderherden mit Tausenden Tieren.



3 m
20 kg

Rock

Riesenadler können bis zu 20 kg wiegen und haben eine Spannweite von 3 m. Manchmal verschleppen sie auch Humanoide als Beute.



Binnenfisch

6 m
2 t

Wanderfisch

Die großen Wanderfische, der Stör, Lachs und die Forelle, leben im Meer, schwimmen zum Laichen jedoch die Flüsse hinauf. Der Stör ist im Frühjahr, Lachse und Forellen im Winter auch im Inland anzutreffen. Störe werden 6 m lang, 2 t schwer und 100 Jahre alt, Lachse 1,5 m lang und 20 kg schwer und Forellen 1,4 m lang und 50 kg schwer.



3 m
100 kg

Standfisch

Die großen Standfische, der Wels und der Hecht, leben in Ufernähe am Gewässerboden. Welse werden 3 bis 4 m lang und 40 bis 150 kg schwer, wobei kürzere mehr Masse aufweisen. Bei Bedrohung wehren sie sich mit kräftigen Bissen. Hechte werden 1,5 m lang und 20 kg schwer und sind als bissige Raubfische bekannt, die ein kurzes, gewaltsames Leben führen, während Welse sehr alt werden.

Schiffsbau
Langboot
Bootsbau


Arachnenseide
Weben


Schuppenkleid
Knochennadel
Handspindel, Ahle
Tangbekleidung


Reiterei
Oreichalkos
Rauchgerbung
Hirngerbung
Unterseegerbung


Speichenrad
Holzrad
Schlitten
Schleife


Bronzeguss
Holzverarbeitung
Verbundwerkzeug
Kaltlandwerk


Zyklopenmauern
Keramikglasur
Kupferguss
Elementarmetalle


Felsenheim
Steinbruch
Megalithbauwerke
Steinverarbeitung
Steinschmiede


Ziegelbrennerei
Stampflehmbau
Lehmziegel
Korbflechten
Werkzeug


Lehmöfen
Töpferei
Feuerstätten


Zeit der ersten Sonne
Geboren auf den alten Schiffen aus den verlorenen Tiefen kannten wir um uns nur weites Meer, das immerzornig gegen die Flanken schlug, den kalten Wind, der unaufhörlich an unserer Haut zerrte, über uns nur finstere Wolkendecke, die immergrollend mit ihren Blitzen schlug. Doch fern der wankenden Welt erhob sich uns späten Kindern der Schiffsbauer der Horizont, ein grauer Baum aus den schwarzen Untiefen in die flackernden Unhöhen, sich räkelnd, langsam und gemächlich, weise und bedächtig, träumend und noch nicht erwacht. Hier war der alten Riesin ein Licht erstrahlt, ein Herz in roter Glut, das unsere Schiffe rief aus allen Meeren. Es wuchs nicht nur, da wir ihm näher kamen, brannte sich seinen Weg hinauf durch Stamm und Rinde, und entzündete die Krone. Laut schrie sie auf, als der Feuervogel sich erhob, brannte hernieder und ließ im großen Feuer Fels und Asche regnen über das hungrig Meer. Trost schenkten unserer Schiffe Bannsängerinnen dem sterbend Kind, als ihr Gesang es zurück in den Schlaf wiegte. Aus der niedergehenden Asche entstieg zögerlich das karge Land, in dessen Fels sich die Spiegel aus schwarzem Glas befanden. Als der graue Regen lag und der Bernsteinvogel durch den dunklen Schleier auf das Land blickte, wuchsen aus des Baumes Asche zahllos seine Kinder, tausendäugig und von dunkler Rinde, die Schwarzeiben, und blickten zurück.

~ Die erste Reise, Norn
Sternenkleid
·Schwarze Federn kleideten den alten Wanderer, der den Vater bezwang. Gesehen ward er auf Rabenbein stolzierend, mit acht Augen über schwarzem Schnabel blickend, und mit Vogelkrallen an sechs Armen auflesend, als er aus der falschen Höhle schritt und alle blickend Vögel aufschraken. Nicht Rabe noch Weberin verschmähten ihn seine Väter, sodass wir Schwestern ihn lehrten. Doch wob er mit unserer Kunst das Schicksal des Vogelvaters, spielte auf der großen Harfe die Echos der sterbenden Baummutter und zwang ihn in den Schlaf. Hier zerriss er den Himmelsvogel, aus seinen Federn das Sternenkleid über die Geisterpfade zu weben. Das Phoenixei aber trug er durch Geisterpforten ins Land der Schlangen im großen Meer. So ward aus dem Geist ein Gott, und schwarze Vögel kamen vom schlafenden Wald herab, um von seinem Werk zu berichten, und brachten die Saat der alten Bäume hinab ins Schlangenland.·

~ Schicksalsaugen, Erl
Traumwald
"Endlos erstreckte sich der lauernde Wald, gebrochen nur von hohem Fels und schwarzen Tümpeln. Von den steinernen Anhöhen aus zürnten stolze Greifen, in den Wurzeln wachten geduldige Weberinnen, aus dem Geäst blickten wissbegierige Aschevögel, alte Raben, und immer, wenn die Tümpel ruhten, lauerten hungrige Najaden. Doch wenn die tausendäugig Bäume schliefen, wanderten durch den lauernd Wald wir Dryaden auf unserer Erinnerung entnommen alten Pfaden, welche unsere Mutter, die wir nie sahen, uns mit ihren Wurzeln dereinst zog."

~ Geisterpfade, Ur
Wurzelwelt
"Seit dem Tag, an dem die lange Nacht began, brannte am Ende jedes unserer alten Pfade ein kaltes Feuer in den finstren Tümpeln, am Anfang aller Pfade aber der große Sternenriss, an dem die Mutter stand. So trugen auch wir auf unseren Wanderungen unser Licht zum Gestirn. Hier aber fanden wir im Wasser das tote Land, tief unter dem endlosen Wald, und in den Sternen die Pforten dorthin. Und dort sahen wir, dass ihre Wurzeln einst nicht im alten Wald endeten, sondern von deren Gipfeln und hohen Hügeln aus auch die zweite Welt durchzogen."

~ Himmelspforten, Ur
Zeit der zweiten Sonne
Bebend erbrannte das starre Land, als das Ei barst und die gläserne Erde sich zu Fluten ergoss. Die schlafenden Schlangen, einst Najaden geboren, krochen abermals durch den Schlamm, einander und Meereswesen zu verschlingen. Auch erwachte die schlafende Saat und überzog das Land mit Pflanzenwuchs, welcher Nahrung bot für Vögel des Himmels und den gehörnten Herden, die einst von unseren Schiffen den Najaden geopfert im Land der Schlangen überdauerten. All dies gedeihte unter den Schwingen des Bernsteinvogels, der abermals die Nacht entzündete und mit seinem Flug den Tag bringen sollte. Doch weckte des Vogels Schrei auch den Traumwald zwischen den Sternen, der hungrig blickte auf die Welt darunter. So stürzten die Greifen vom Himmelswald herab, ihn nie wieder zu betreten. Auch unsere Schiffe sanken auf die Welt hernieder, sie zu bevölkern mit unserart. Einzig das Schiff der Jägerin, dem sich stets alle Meere beugten, verblieb die Walde zu bereisen Tag und Nacht.

~ Das alte Land, Norn
Tiefenlicht
·Drei Städte auf ihren Reisen spenden Licht dem endlosen Schlund. Die älteste ist das Schiff der Jägerin, dem sich alle Meere beugen. Die zweite ist das hohe Licht, zu dem alle Geisterpfade führen, an dem die träumende Königin ruht. Die dritte bereist auf dem Rücken des Bernsteinvogels die Welt, so nah an seinem Feuerkleid umhüllt von gerötetem Licht. Und von beiden Seiten der trügerischen Wellen leuchten sie herab in die Tiefenwelt. Hierhin ziehen junge Miragen aus den Spiegeln, um dort in den Herzen Fremder zu erwachsen und mit ihnen in den Wald zurückzukehren. Hierhin stürzen Phantasmen aus dem Geäst, um die Geister Träumender in den Wald zu entführen und ihre Herkunft vergessen zu machen. Und hier wandern die Miasmen, ihren Schwermut über die dort Lebenden zu legen, und das Ende ihrer Pfade zu erkunden.·

~ Die gelogene Welt, Erl

Geister sind das erwachte Bewusstsein eines weltlichen Äquivalentes, etwa eines Lebewesens oder abstrakteren Konzeptes. So wie Lebewesen oft im frühen Kindesalter Erinnerungen sammeln und ein Bewusstsein entwickeln können, erwacht auch manch altem Gewässer, Gewächs, Wald oder einer Herde ein Naturgeist, sowie alten Gegenständen und Gebilden, wie Schiffen, Bögen und Städten ein Kulturgeist. Mit Art des Äquivalentes gehen für den Geist Fähigkeiten und Pflichten einher.

Das Erwachen eines Geistes geht nur langsam vonstatten, und oft erinnern sich die Geister früherer Ereignisse nur gleich einer fernen Kindheit, bruchstückhaft und an einschneidenden Momenten am klarsten. Zum Traum verlassen Geister ihr weltliches Äquivalent und streifen in der astralen Anderswelt umher, wirken mit ihrer Anwesenheit aber bereits auf die Dieswelt und können derart wahrgenommen werden.

Bei Beschädigung ihres Äquivalentes werden Geister schwächer und verenden mit dessen Zerstörung. Diesem Schicksal vermögen einige jedoch zu entkommen, indem sie sich durch Besetzen geeigneter Behältnisse oder durch Geburt eine neue sterbliche Hülle aneignen. Meist ist der Verlust des Äquivalentes jedoch ein traumatisches Ereignis, das Erinnerungen und Charakter des Bewusstseins beschädigt. Zur Wiedergeburt fähige Geister sind als Gottheiten, zur Besetzung fähige als Dämonen bekannt.

Mittjahreskind
Zu Mittwinter und Mittsommer geborene Kinder haben eine natürliche Begabung Nornhexereien zu erlernen.

Drittes Auge
Ein drittes Auge auf der Stirn erlaubt Geister zu sehen.
Mehrlingskind
Als Mehrlinge geborene Kinder haben eine natürliche Begabung Erlhexereien zu erlernen.

Mehrlingsleid
Starke Gefühlsregungen werden den übrigen Mehrlingen zuteil.
Mondkind
Zu einer Mondfinsternis geborene Kinder haben eine natürliche Begabung Urhexereien zu erlernen.

Krallenwuchs
Mondkindern wachsen Krallen anstelle der Finger- und Zehennägel.
 .: Ein neuer Morgen [Abenteuer]
Bearbeitet am 25.10.2015, 04:50
Zitat · antworten

« Shengas Weihe »

Im stillen Walde brach sich Gestein von seinesgleichen frei, verließ die Fänge der Wurzeln, die es hielten, und nahm die Beine, die es stießen, mit sich hinunter, eilig den Hang hinab zu gleiten. Doch auch Herz und Stolz wurden vom Geröll erfasst und pochten geradezu schmerzvoll auf. Fester umklammerte das junge Mädchen den beinahe verloren gegangenen Speer mit ihrer rechten Hand, der doch schon zum Stoß erhoben war, und suchte mit der linken Halt im Hang und mit den Beinen ihr Gleichgewicht, um nicht im Meer des Waldes zu versinken und bis ins tiefe Tal zu fallen. Nach und nach polterten Stein und Erde an ihr vorbei und gaben ihren Körper schließlich in dicht aufgewühltem Schnee und Staube vom Falle frei, begruben jedoch ihre Beine tief darin. Alsbald begangen Hall und Staube sich erneut in der Erde zu betten, das Mädchen jedoch spürte noch immer das Brennen in ihrem Körper, hielt die Spannung, um nicht den Schmerz zuzulassen und schaute noch, in ihrer Haltung erstarrt, verletzten Stolzes vor sich auf den Boden herab. Langsam legte sich der kalte Atem dieser Lande über ihre Haut, da sie schon den Blick des Hexers vernahm. Hoch oben stand der alte Mann mit dem hageren, ledrigen Gesicht, das von winterlicher Dunkelheit gegerbt war. Fein umrandeten weiße Barthärchen die Mundpartie, weit spannten sich die Wangen von den hohen Wangenknochen bis zum Kinn hinab und die vielen Falten waren nicht die einzigen Zeugen seines Alters. Wie ein Türkis im Nebel sah ein jedes seiner Augen aus den halb eingefallenen Lidern heraus, hinunter zu dem Kinde. Verächtlich, so musste der Blick aus der Ferne sie treffen, war sie diesen doch vom gemeinsamen Feuer gewohnt. Sprach er von der weißen Herrin und den Geistern der Toten, von den Lichtern im Himmel und der ewigen Jagd, zu der die Jägerin sie berufen werde, wenn sie sich würdig zeige, so tat er dies niemals mit Zuversicht. Nein, er hatte seinen Schützling nie gewollt, war einzig erschienen, um eine alte Schuld zu begleichen und machte nie den Eindruck, als würde ihm je gelingen sie unter das Zeichen der weißen Jägerin zu stellen. Doch konnte sie nicht sehen, dass sein Blick sie, deren Gestalt sich noch im Staube kleidete, nicht mit Verachtung traf, sondern mit Trauer, die seine Stirnfalten zeichneten, mit einem leichten Zittern und Tränen, die an seinem Gesicht entlang rannten. Flehend blickte er in die Welt hinein und sah im Geiste einen weißen Wolf. Zähne zeigend. Knurrend. Und mit gelben Augen starrend in Zorn und Hass. Laut rief er etwas hinaus. Hexensprache. Thursenzunge. Und ein kalter Wind kam auf und schlug an ihre Wangen und riss an ihrer Haut. Kalt war die Luft, mit der sie ihre Lungen füllte, als sie sich herausriss aus dem Boden und stärker schlug ihr Herz, als sie ihren Zorn hinausbrüllte und erneut an Kraft gewann, denn ihr Körper durfte hier nicht versagen. Bald schon überschlugen sich wieder ihre Schritte. Bald schon sollte sie die verlorene Fährte wieder aufnehmen. Bald schon sollte sie hinter dem dunkelgrauen Wilde rennen, dessen erhabene Gestalt sie schon so oft gesehen, dessen Blick schon so oft bis in ihr Herz gelangt und dessen stolzes Geweih sie bereits von den Beinen gerissen hatte. Lange noch würde sie mit dem heiligen Tiere um ihr Anrecht streiten, den Segen der weißen Jägerin zu empfangen und wann immer die Niederlage drohte, würde der Hexer dort stehen und ihr einen weiteren Stoß versetzen.

In der Dämmerung des letzten Tages ihrer Jagd stand sie da. Schnaubend hatte er ihr gegenübergestanden. Fokussiert seine Waffen zum Kampfe gerichtet. Bereit sich aus der Falle, in die sie ihn gedrängt hatte, zu befreien. Und dann sprang er ihr entgegen, stieß sie mit den Hufen und röhrte laut auf, als der Speer durch seine Brust drang. In Schmerz und Todesangst war sein Gesicht verzerrt, als er über ihr aus dem Sprunge fallen sollte. Gemeinsam fielen, rollten sie, prallten und teilten sich sein warmes Blut, bevor sie liegen blieben. Zuckend, doch unfähig zu fliehen, blieb ein Auge auf das Kind gerichtet, das seinem Gesichte gegenüber mit ihm im Schnee dalag. Und lange blieben sie so liegen.

Nun stand sie da, die Hand über gebrochenen Rippen. Kein Spieß musste mehr getragen, keine Jagd begangen, keine Prüfung bestanden werden. Nein, mit letzter Kraft stand sie nur da und blickte mit großen Augen den kalten Nebeln in der Dämmerung entgegen. Eine tiefe Angst wohnte in ihrer Brust und ließ sie zittern und je mehr sie an etwas anderes dachte, als an dessen Unterdrückung, desto stärker stieß es aus ihr heraus. In Ehrfurcht erstarrt erwartete sie die Ankunft. Einen Schatten im Licht und in den Nebeln. Eine Hünin, vor Äonen erfroren. Bleich fiel ihr Haar, weiß ihr Gewand und noch heller ihre Haut. Und kalt, so fürchterlich kalt ihr Blick, dass der Immerwinter darin wohnte. Hoch überragte sie das Kind, das in ihrem Schatten nun noch viel mehr von seinen Ängsten befangen ward. Da fiel die weiße Göttin auf ihre Knie hinab und blieb darüber erhoben, sodass ihr kaltes Antlitz nun dem des Mädchens gegenüberstand und kaum noch höher schien. Kraftvoll waren ihre Züge, edel, wahrlich die einer großen Königin, deren Worte gewiss mit Nachdruck fielen und keinen Raum für Widerworte ließen. Langsam, wie vom letzten, schwachen Atemzug des schon lange gefallenen Wildes erfasst, wanderte weißer Dunst an den Wangen entlang und entstieg unaufhörlich ihren immerwachen Augen, dem Schein glühenden Eises, hell leuchtend in den Tiefen dieses Blickes. Langsam nur, so legte sich auch ihr Haupt in Richtung ihrer linken Seite, und leise, so schien dem Kind, ließ sich hierbei ein helles Stöhnen vernehmen, bevor es schlagartig an Halt verlor und sich, während das erschrockene Kind noch zusammenzuckte, ganz über die linke Schulter neigte und nach dem Stöhnen ein Röcheln ertönte. Still blickte die weiße Jägerin so auf das zitternde Kind vor ihr.

"Ich..", sofort versagte ihre Stimme. Ein Schütteln durchschritt ihren Körper und für einen Augenblick war sie versucht, sich auf dem Boden zu kauern, um ein letztes Bisschen an Körperwärme für sich zu behalten, bevor der Wind ihr auch das abstreiten sollte. Dann fasste sie sich wieder, ballte eine Hand zur Faust und ließ mit der anderen von den schmerzhaften Rippen ab und führte sie über ihr Herz. "Ich, Shenga, Tochter von Thurgar, gelobe", lange atmete sie hier ein und aus, schöpfte neue Kraft für neue Worte und bezwang erneut ihren Körper, der in ihr vor Kälte und Schmerz schrie und in Anbetracht des so unglaublich großen Wesens ihm gegenüber um sein dagegen so bedeutungsloses Leben fürchtete, "gelobe die heiligen Gebote zu achten und zu ehren und gelobe dir,", tapfer schlug sich das Kind. Und dachte nach, kurz, um den wahren Willen in ihr zu ergründen. Denn was sollten Worte, die sie an eine Gottheit richtete, ohne den Willen dahinter schon bedeuten, wenn nicht eine unverzeihliche Beleidigung ihres Gegenübers. "dir, weiße Jägerin, die ewige Treue. In diesem Leben, wie im nächsten, werde ich deinem Ruf folgen, wann immer er erhallt." Mit über ihre eigene Tat von Stolz erfüllten, fast tränenden Augen schaute sie nun auf die Erscheinung vor ihr und hielt den musternden Blicken stand. Einen weiteren Laut gab die Gestalt von sich, während ihr Haupt sich wieder aufrichtete. Ein flüsternder Laut, mehr einer Sprache gleich als die vorigen, jedoch nicht eindeutig als solche auszumachen. Wie eine geisterhafte Stimme, als würde die Luft hierbei in sie eindringen und nicht verlassen, so stieß sie ein "Iiih-jhaaaaa" aus, das langsam an Kraft verlor und schließlich gänzlich verblich. Wie zum Bannwerk hob sie nun ihre bleichen Arme und hielt die Hände, deren Finger in weißen Krallen endeten, vor dem Gesicht des Kindes erhoben. Mit den Krallen ihrer linken riss sie, vor des Mädchens Augen, die Handfläche der rechten auf, sodass sich dort das rot glänzende göttliche Blut sammelte. Es schien so viel dunkler, kräftiger, edler, als solches, das ihr bislang bekannt war. Während der linke Arm sich wieder senkte, streckte sich die blutende Hand am Gesicht des Kindes vorbei dessen Hals entgegen. Kälte spürte es, alleine die Nähe der Hand drohte Erfrierungen zu verursachen, doch tapfer versagte es dem Körper, erneut zurückzuweichen, und während der Atem noch den eigenartig betörenden Duft des Blutes vernahm, war die Hand schon aus ihrem Blickfeld verschwunden. Gespannt schaute das Kind wieder in das Gesicht der Göttin. Scharf schnitt die Kralle ihren Hals, kalt, so kalt berührte die Hand die Wunde, griff mit den Fingern um den Nacken, dem Daumen über die Wange hinauf und umklammerte sie fest, so fest, dass kein Abgrund ihr drohen könnte. Weit riss das Mädchen die Augen auf, glaubte durch die bloße Berührung gänzlich zu erfrieren und umklammerte nun mit den eigenen Händen fest den Arm der sie haltenden Hand und konnte nicht Zittern noch Furcht mehr zurückhalten. Dem Tode nahe drohte sie dem winterkalten Griff, kaum dass sie ihn empfing, schon zu entschlafen, da sah sie noch, wie sich der Mund der weißen Herrin öffnete und die zahllosen Reißzähne darin. Und während sie den Sinn für ihren eigenen Körper verlor, drangen noch die göttlichen Worte in einer der alten Sprachen an ihr Ohr, begleitet von Wind und Schneewehen, die stärker wurden mit jeder Silbe und ihr auch den Sinn für die Welt um sie herum raubten. Da erwachte ihr Herz, das kaum noch schlug, und erfüllte ihren Körper mit neuer Kraft. Wenig nur beim ersten Schlag, sodass es den zweiten brauchte, um sie gänzlich zu wecken. Und neue Wärme drang durch ihren Leib und erwehrte sich dem Wind und auch dem kalten Odem, den sie mit den göttlichen Worten empfing. Deutlicher wurde das Antlitz, klarer die Laute, die von der Seelengeißel ausgingen, und doch blickte Shenga, so sehr sie sich konzentrieren mochte, unverständig, übermannt von den Ereignissen um sie herum, bis sie ihren Namen zwischen den geisterhaften Lauten ausmachen konnte und sich ihrer Pflichten gewahr ward. So ließ sie von dem Arm der Göttin ab, und auch diese löste kurz darauf, als Shengas Füße wieder Halt fanden, die Hand von ihrem Halse. Die Stimme war verstummt, die Winde hatten sich gelegt und die dämmernde Sonne färbte den Himmel hinter der weißen Jägerin in neue Rottöne. Erstarkt stand Shenga nun vor ihr, fürchtete nicht mehr, war neu belebt und eine Weile blickten sie einander noch an. Ein Wort, "Danke.", verließ ihre Lippen und wurde in der fremdartigen Sprechart sogleich erwidert, "Thsan-ke.". Ein Lächeln machte sich über Shengas Gesicht breit. Langsam und in Sprüngen fiel darauf der Blick der Jägerin an ihr herab und schließlich zur Seite, wo der tote Hirsch lag. Nach ihm streckte sie ihren Arm, drang mit ihren Fingern nach den Krallen in seinen Leib ein und zerbrach einige Rippen, als sie dessen Herz hervor holte. Es dauerte nicht lange, bis es in ihrer Hand wieder zu schlagen began und sie sich wieder vollends aufrichtete. Die linke Hand streckte sie nun Shenga entgegen, als würde sie noch etwas von ihr verlangen. Kurz beirrt fand diese mit ihrem Blick wieder den der Herrin und legte eine Hand in die ihre. Ein letzter Segen sollte folgen, ein Abschied, auf den Shenga, sobald sie ihn als solchen erkannte, die göttliche Hand auch noch mit der anderen hielt. Zuletzt löste sich die Göttin aus dem Griff, färbte zwei Finger an dem schlagenden Herzen und strich damit über Shengas Gesicht, bevor sie sich auch mit ihrem Blick löste und fort schritt in die Dämmerung.

Nicht die weiße Jägerin, noch den Mondhexer hat Shenga seit diesem Sommer gesehen. Doch kehrte sie nach dieser Mondphase als erwachsene Frau, wagemutiger als je zuvor, zum roten Stamm zurück und sollte dort, noch bevor der Winter began, die Jäger anführen.

 Sprung  
Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor